Homeoffice – wo waren wir noch stehengeblieben?

Homeoffice – wo waren wir noch stehengeblieben?

Ich habe eine wirklich gemütliche Couch. Eine recht stabile Internetverbindung und einen brauchbaren Laptop. Beste Voraussetzungen für entspanntes Homeoffice. Bei mir lebt ein netter Hund, der nicht darauf besteht, die Couch für sich allein zu haben. Wir teilen. Eine Kundin ruft an. Die Hündin seufzt.

„Entschuldigung“, sage ich zur Kundin. „Das war mein Hund.“ Die Kundin ist irritiert. Offenbar war der Seufzer nicht so laut wie ich dachte.

„Wie bitte?“, sagt die Kundin.

„Der Hund“, sage ich.

„Was?“

„Vergessen Sie es.“

„Hm.“

„Wo waren wir noch stehen geblieben?“

„Wau!“ Jetzt bellt die Hündin.

„Sehen Sie? Hören Sie jetzt?“, frage ich aufgebracht.

„Was?“                Ist die taub?!

„Vergessen Sie es einfach wirklich.“

„Ich rufe morgen wieder an“, sagt sie.

Ja, bestimmt, denke ich und werfe den Hund von der Couch. Wird auch Zeit, denn jetzt steht die morgendliche Videoschalte an. Ich hasse das, man sieht sich selbst immerzu. Erkenntnis: Ich brauche eine neue Brille, diese ist einfach gar nicht zu ertragen. Die Optiker sind aber zu. Großartig. Missmutig melde mich in der Schalte. Mit der hässlichen Brille.

„Guten Morgen allerseits, guten Morgen.“ Mein Mann hat länger geschlafen, kommt jetzt ins Wohnzimmer, checkt die Situation nicht und saust zerzaust durchs Bild. „Mein Mann, sage ich zu den Kollegen. Entschuldigung.“ Er sagt: „Wofür entschuldigst du dich?“ und kommt zurück. Mit einem Schokoladenbrötchen in der Hand und ein bisschen davon im Gesicht, starrt er direkt in die Kamera meines Laptops. Die Kollegen erschrecken sich. Er auch. Den Rest des Tages gibt es Bio Tee aus der Packung mit der Aufschrift Gelassenheit.  Der Hund muss ins Körbchen, mein Mann macht Homeoffice aus der Küche. Schokoladenbrötchen sind auch alle. Hoffentlich hat das alles bald ein Ende.

Wo waren wir noch stehengeblieben?